Zum 100-jährigen Gedenken an das Massaker an den Armeniern

 Pressemitteilung | 24.04.2015

Es war damals Völkermord und es ist heute Auftrag zur Versöhnung.

Der CDU Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg geht über die Bundestagsresolution hinaus und erkennt, wie auch Bundespräsident Gauck, eine moralische Schuld Deutschlands als damaligem Verbündeten des Osmanischen Reiches an.

Bei seiner Rede zur Gedenkveranstaltung zum 100. Jahrestag der Massaker an den Armeniern hat der Bundestagsabgeordnete und familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg, den Massenmord an den Armeniern als Völkermord bezeichnet, der zugleich Auftrag ist zur Versöhnung.

In seiner Rede nach einer Andacht nach syrisch-orthodoxem Ritus in der Hauptkirche St. Petri ging Weinberg laut Manuskript damit über die Formu- lierung der Regierungskoalitionen hinaus, die der Bundestag am Freitag einstimmig beschlossen hat.

Hier Auszüge aus seiner heutigen Rede in der Hauptkirche St. Petri:

[…] Aghet (armenisch für die große Katastrophe) war ein Ereignis, das viele nicht wahrhaben wollten. Aus falsch verstandener Rücksichtnahme auf einen militärischen Verbündeten wurde dieses bis hinein in die heutige Zeit von vielen nicht als das benannt, was es ist: Ein Völkermord. […]

WEINBERG BETONT MORALISCHE SCHULD DEUTSCHLANDS

[…] Wer sich dazu herbeilässt, die Erinnerung an die Opfer zu verdunkeln, der tötet sie ein zweites Mal.“ Das hat der Holocaustüberlebende Elie Wiesel den Abgeordneten des deutschen Bundestages im Jahr 2000 ins Stammbuch geschrieben, als er anlässlich des Gedenkens der Shoa vor dem Bundestag sprach. […]

Das gilt in besonderem Maße für uns Deutsche, die bereits als Waffenbrüder im ersten Weltkrieg schwiegen und mit dem präzedenzlosen Verbrechen des Holocaust eine Verantwortung tragen, die mehr sein muss als

Schweigen. […]

WERBEN FÜR GEMEINSAME EUROPÄISCHE ERINNERUNGSKULTUR

[…] Es geht mir ausdrücklich nicht darum, die türkische Regierung hier auf eine Anklagebank zu setzen. Gerade wir Deutsche sollten uns vor dem Hin- tergrund unserer Geschichte davor hüten, uns mit erhobenem Zeigefinder als Richter über Andere zu erheben. Der Gestus des Oberlehrers wäre für die deutsche Politik falsch. Gleichzeitig sollte niemand der Versuchung er- liegen, die Betonung der Verbrechen anderer Nationen zur Relativierung von deutscher Schuld einzusetzen.

Was wir tun können und sollten, ist vielmehr für eine gemeinsame europäische Erinnerungskultur zu werben, die nicht versucht, andere moralisch zu diskreditieren, aber auch nicht versucht aus Opportunitätsgründen historische Schuld unter den Teppich der Geschichte zu kehren. Erinnerung und die daraus erwachsende Verantwortung ist, nach vorne gerichtet, Aussöhnung. Die Grundlage unseres künftigen Europas muss nach Jahrhunderten von Zivilisationsbrüchen ein Europa der Erinnerung, Verantwortung und Aussöhnung sein. […]

TÜRKISCHE ZIVILGESELLSCHAFT STELLT SICH GESCHICHTE

[…]Es gibt auch in der Zivilgesellschaft in der Türkei ermutigende Zeichen. Lange wurde die Vernichtung der Armenier in der Türkei tabuisiert. Doch seit zehn Jahren wird, unter Intellektuellen, offen über das Thema geredet.

Fatih Akins Film “The Cut”, der dem Leiden der Armenier Stimme und Gesicht gibt, wird – trotz Protesten- auch in der Türkei gezeigt. Dass der damalige Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im April 2014 in einer viel beachteten Rede den Nachfahren der Ermordeten sein Beileid bekundete, wäre vor einigen Jahren undenkbar gewesen. […]

Weinberg abschließend: Wir müssen uns heute erinnern, um nicht zu vergessen. Und es muss ausgesprochen werden: Es war ein grausamer Völkermord. Und Es war ein Jahrhundert der Völkermorde. Europa erinnert sich, Europa gedenkt der Opfer, Europa reicht sich die Hand zu Versöhnung! Das sind wir den Opfern schuldig.